Hinweis zum NDRS2023 Awareness-Konzept:
Alle sollen sich sicher und respektiert fühlen! Falls ihr euch belästigt fühlt oder eine überfordernde Situation erlebt habt, wendet euch an uns – ihr erkennt uns an den lila Westen. Außerdem findet ihr an jedem Veranstaltungsort auf dem NDRS2023 QR-Codes, mit denen ihr Kontakt zu uns aufnehmen könnt.
Awareness-Rufnummer: 01781460467

WS = Workshop / V = Vortrag / PD =Podiumsdiskussion / L = Lesung / B = Bühnenstück

Von: Herr von Rehtanz
Ort: Studhaus Lernort 1

Beschreibung:
Die Videoinstallation „Das Unbehagen – Edition 2023“ setzt den Fokus auf die Geschichte der Zwangsarbeit während der NS-Zeit am Beispiel der Salzmannfabrik in Kassel und fragt nach (Dis)Kontinuitäten rechter Gewalt. Das Projekt startete im Frühjahr 2020 und wurde erstmals im September 2021 im Hochbunker am Marienkrankenhaus präsentierten. Seitdem wurde die Arbeit erweitert und in verschiedenen Formaten ortsspezifisch installiert. Das vollständige Material kann zudem seit Ende 2022 dauerhaft und kostenlos über die folgende Website besichtigt werden: https://das-unbehagen.net/

Mittwoch 19.07.2023

Referent*innen: NDRS-Orgacrew
Ort: Boreal

Referent*innen: Soligruppe B. Efe 09
Ort: Boreal

Beschreibung:
Über drei Jahre nach dem rassistischen Mordversuch an B. Efe werden wir gemeinsam versuchen, Worte für die Tat und die Konsequenzen zu finden. Wir wollen aufzeigen, wo wir trauern, wütend aufschreien und kämpfen. Wir wollen Solidaritäten & Allianzen sichtbar machen. 

Gegen die Ohnmacht! 
Gegen das Vergessen!

Referent*innen: Yvonne Weyrauch & Sascha Schmidt
Ort: Boreal

Beschreibung:
Rechter Terror kann sich auch in Hessen jederzeit Bahn brechen. Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke im Juni 2019, das Attentat von Hanau im Februar 2020, bei dem zehn Menschen ermordet wurden sowie der Mordversuch von Wächtersbach im Juli 2019 haben dies deutlich gemacht. Auch wenn wir es in den letzten Jahren mit einer neuen Qualität rechter Gewalt zu tun haben, zeigt der Blick in die Geschichte, dass rechter Terror eine permanente Begleiterscheinung der Geschichte der BRD ist. Die Spuren dieser Gewalttaten lassen sich auch in Hessen weit über den NSU-Mord 2006 in Kassel hinaus zurückverfolgen. In einem Vortrag werden zentrale Erkenntnisse des im März 2023 erschienenen Buches „Rechter Terror in Hessen – Geschichte, Akteure, Orte“ von Sascha Schmidt und Yvonne Weyrauch vorgestellt und diskutiert. Dabei werden die Referent*innen auch auf Besonderheiten in Stadt und Landkreis Kassel eingehen. 

Referent*innen: Gamze Kubaşık & Ali Şirin
Ort: Boreal

Beschreibung:
Gamze Kubaşık verlor durch die Mordserie des rechtsterroristischen NSU ihren Vater. Am 4.4.2006 wurde Mehmet Kubaşık in Dortmund von dem rechtsterroristischen NSU ermordet. Insgesamt starben in den Jahren 2000–2007 zehn Menschen. Bis zur sogenannten NSU-Selbstenttarnung im November 2011 in Eisenach wurden die Angehörigen der Opfer verdächtigt, nicht ernst genommen und allein gelassen. Gamze Kubaşık kämpft seither um Aufklärung, Erinnerung und Konsequenzen. Sie wird u.a. über den NSU-Komplex, ihre Erfahrungen nach dem Tod ihres Vaters, mit Sicherheitsbehörden und ihren Kampf Aufklärung sowie Erinnerungsarbeit heute sprechen.

Moderiert wird die Veranstaltung von Ali Şirin vom Bündnis Tag der Solidarität / Kein Schlussstrich Dortmund.

Donnerstag 20.07.2023

Referent*innen: Response Hessen
Ort: Studihaus Lernort 2

Beschreibung: In unserer rassistisch und antisemitisch strukturierten Gesellschaft müssen viele Menschen Erfahrungen von Ausgrenzung, Abwertung und Diskriminierung machen. Die Alltäglichkeit rassistischer Gewalt bedeutet für die Betroffenen ständig verletzenden Situationen ausgeliefert zu sein und irgendwie mit den belastenden und manchmal überwältigenden Folgen fertig werden zu müssen.

Die Reaktionen des (sozialen) Umfelds nach gewaltvoll erlebten, rassistischen Vorfällen ist für die Betroffenen sehr bedeutsam. Sie können sehr hilfreich sein, wenn sie Solidarität ausdrücken. Sie können aber auch gewaltvoller wirken als der eigentliche Vorfall. Sekundäre Viktimisierung beschreibt diese erlebte Gewalt nach der Gewalt.

In dem Workshop möchten wir gemeinsam zu einer Sensibiliserung für sekundäre Viktimisierung beitragen. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, sich aktiv und kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Workshop ist ein Basiswissen zum Thema Rassismus und Antisemitismus.

Referent*in: Joel Willing
Ort: Karnak, R1

Beschreibung:
In diesem Workshop werden wir über die Wirkungsweise des Antisemitismus und seine unterschiedlichen Ausformungen aufklären und können so eine Übersicht über das Thema schaffen. Zudem wollen wir uns mit unterschiedlichen Definitionen von Antisemitismus und den womöglich daraus resultierenden Schwierigkeiten auseinandersetzten.

Referent*in: Medinetz
Ort: Schlachthof, Kaminzimmer

Beschreibung:
tba

Treffpunkt: Bremerstr. 3

Beschreibung:
Das Judentum ist sehr vielfältig! Und wie wird es heutzutage in Deutschland und in Israel gelebt? Wie sieht der religiöse Alltag der Juden aus? Was ist unter dem Begriff „koscheren Essen“ gemeint? Was steht in der Thora? Was heißt „Mazl tov“? Im Rahmen der Führungen durch die Synagoge in Kassel erhalten die Besucher eine Einführung in die Geschichte der jüdischen Gemeinde, in die Architektur der Synagoge sowie in den Ablauf eines Gottesdienstes.

Referent:  Ullrich Schneider
Treffpunkt: Start: Infostand des NDRS im Nordstadtpark

Beschreibung:
Antifaschistische Geschichtspolitik macht sich die historischen Orte und Erinnerungszeichen in der Stadt bewusst. Dieser Rundgang folgt nicht einer Chronologie, sondern dem Prinzip der Visualisierung von Geschichte. Politische Verfolgung, antisemitische Ausgrenzung und die Konsequenzen der faschistischen Kriegspolitik, aber auch Zeichen antifaschistischen Widerstands haben „vor den Augen dieser Stadt“ stattgefunden – dies und die entsprechenden Handlungsorte sollen sichtbar werden.

Referent*innen:  4-Stunden-Liga
Ort: Karnak, R1

Beschreibung:
Was hat der Kapitalismus mit autoritärer Formierung zu tun? Diese Frage bearbeitet der Workhshop aus Perspektive der Arbeit. Das Leben und der Alltag der großen Mehrheit der Menschen ist davon bestimmt, dass sie ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Werktag für Werktag, Jahr für Jahr, werden sie gefordert und müssen die vielfältigen Zumutungen der Lohnarbeit ertragen. Dabei sind sie einem kapitalistischen Normalvollzug, der undemokratisch organisiert ist und ihre konkreten Bedürfnisse ignoriert, unterworfen.

Diese Zumutungen der kapitalistischen Lohnarbeit bringen in ihrer Form als Autoritäts- und Herrschaftsverhältnisse autoritäres Denken hervor und befeuern die Entstehung autoritär rechter Bewegungen. Dieses Verhältnis werden wir in unserem Workshop facettenreich am Beispiel des Nationalsozialismus ausleuchten. Dabei werden wir uns mit dem nationalsozialistischen Arbeitsethos auseinandersetzen, das Arbeit wesentlich als Selbstzweck, als sittlich-moralisches Gebot und vor allem als Aufopferung für die Volkgemeinschaft begriffen hat. In den Blick nehmen wir ebenfalls, wie dieser Arbeitsbegriff sein komplementäres Anderes in den Figuren der Nicht-Arbeit und der Anti-Arbeit, des „Arbeitsscheuen“, des „Asozialen“, des „Zigeuners“ und des „Juden““ gefunden hat. Wir werden sehen, dass ein spezifisches Verständnis von Arbeit zu Ausgrenzung und Vernichtung führte – ebenso wie zahlreiche aktuelle autoritäre Bewegungen darum kreisen, den ‚arbeitenden einfachen Mann‘ mit autoritären Mitteln in sein vermeintliches Recht zu setzen.

Vor diesem Hintergrund werden wir uns mit radikaler Arbeitszeitverkürzung auseinandersetzen. Auch weil diese Forderung den deutschen Arbeitsethos und neoliberale Vorstellungen, wonach wir Unternehmer:innen unserer selbst sein sollen, radikal zurückweist, eröffnet sie die Möglichkeiten für ein Verständnis der menschlichen Wertigkeit, das nicht um Arbeit zentriert ist.

Referent*in: Julia Fritzsche
Ort: Studihaus Foyer

Beschreibung:
Wie können wir gemeinsam eine verführerische, begeisternde Erzählung entwickeln? Eine Erzählung, die einerseits die soziale Frage neu und den Kapitalismus wieder in Frage stellt – und die andererseits vielfältige selbstgewählte Identitäten zulässt – ohne Sexismus, Rassismus und anderen Menschenfeindlichkeiten. Eine Erzählung in Tiefrot und radikal Bunt.

Anhand der großen Themen Migration, Care, Ökologie, Wohnen und Queerness geht die Autorin Julia Fritzsche auf Spurensuche: bei streikenden Pflegekräften, bei Indigenen in den Anden, die gegen Ölförderung auf ihrem Land kämpfen, bei Stadtnetzwerken und Flüchtlingshelferinnen, sowie beim Slut Walk. Sie hat die Menschen in ihrem Alltag begleitet und mit ihnen gemeinsam weitergesucht. Überall findet sie Geschichten, die von einem anderen, besseren Leben erzählen, und Menschen, die es schon umsetzen: Ein Leben und Arbeiten, das an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist, nicht an ihrer Verwertbarkeit und an Profitabilität. Wirkliche soziale Gerechtigkeit statt nur ein bisschen Umverteilung – Klassenfrage und Minderheitenschutz zusammengedacht.

Julia Fritzsche fragt, was die verschiedenen Ansätze gemeinsam haben und wie sich feministische, migrationspolitische, ökologische und soziale Entwürfe zu einer Erzählung zusammenführen lassen, die das Potenzial hat, die Welt zu verändern.

Julia Fritzsche, geboren 1983, ist Journalistin und Autorin. Sie macht Radio und Fernsehen für ARD und ARTE. 2019 erschien ihr Buch „Tiefrot und radikal bunt – Für eine neue linke Erzählung“ (Edition Nautilus). Julia Fritzsche lebt in München. Ihre Sendungen sind mehrfach ausgezeichnet. Für ihr Hörfunk-Feature »Stell dich nicht so an!« Indizien für eine Rape Culture« bekam sie den Juliane Bartel Medienpreis 2013. Ihr Feature »Prolls, Assis und Schmarotzer!« Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet wurde 2016 mit dem 2. Preis des Otto-Brenner-Preises sowie mit dem Deutschen Sozialpreis ausgezeichnet. Das Feature Das Pogrom von Hoyerswerda erhielt den Pechmannpreis 2018. Ihr Feature »Lied vom Ende des Kapitalismus« erhielt 2020 den „Andere Zeiten“-Journalistenpreis.

Referent*in: NSU-Watch
Ort: Schlachthof Saal

Beschreibung:
In der Lesung aus der erweiterten Neuausgabe von „Aufklären und Einmischen. Der NSU-Komplex und der Münchener Prozess“ wollen wir auf aktuelle Ereignisse und Entwicklungen eingehen und fragen: Was kann die Praxis der antifaschistischen Prozessbeobachtung den immer wiederkehrenden rechten Mobilisierungen entgegensetzen?

Das zentrale Anliegen von „Aufklären und Einmischen“ ist, die rassistischen Strukturen in Gesellschaft und Staat, die den NSU hervorbrachten, ihn unterstützten und so zehn Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle zwischen 1998 und 2011 möglich machten, entlang der Geschehnisse und Akteur*innen im NSU-Prozess in München aufzuzeigen.

Das Urteil im NSU-Prozess ist seit 2021 rechtskräftig, die Bedrohung durch rechten Terror hat aber nicht abgenommen. Mit dem zusammengetragenen Wissen haben wir aber viel in der Hand, das zu ändern.

 

Referent*innen: Redical M
Ort: Karnak

Freitag 21.07.2023

Referent*innen: MBT Hessen
Ort: Karnak, R1

Beschreibung:
Wie in den meisten Jugendkulturen spielt Musik auch in der extrem rechten Szene eine wichtige Rolle. In dem Workshop beschäftigen wir uns mit verschiedenen Stilrichtungen, Inhalten, Strategien und Akteur*innen in der rechten Musikszene. Anhand von Hörbeispielen werden die Liedtexte und die darin verarbeitete Ideologien analysiert. Ziel des Workshops ist für menschenverachtende und rechtsextremistische Inhalte im Bereich Musik zu sensibilisieren. Der Workshop wird durchgeführt von Elona Abraha und Anna Rosga vom Mobilen Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtextremismus.

Referent*in: Mick Prinz (Amadeu Antonio Stiftung)
Ort: Studihaus, Lernort 2

Beschreibung:
Eine laute Minderheit von toxischen und rechtsextremen Akteur*innen versucht in der Gaming-Welt mitzuspielen. Bestehende Diskurse in der Gaming Welt werden instrumentalisiert, eigene Propagandaspiele entwickelt und wenig moderierte Plattformen genutzt, um rassistische und antisemitische Narrative zu verbreiten. In diesem Workshop werden die Strategien der extremen Rechten im Gaming durchleutet und gemeinsam überlegt, wie sich Spieler*innen dagegen zur wehr setzen können. Gleichzeitig wird über das Medium Games diskutiert: Wie politisch sind Videospiele? Wo gibt es Beispiele für gelungene, wo für wenig gelungene Spielehandlungen und was wird eigentlich in den Communitys diskutiert?

Mick Prinz ist Sozialwissenschaftler, leitet das Projekt Good Gaming – Well Played Democracy der Amadeu Antonio Stiftung und beschäftigt sich mit den Chancen und Herausforderungen der Gaming-Welten.

Referent*in: André & Lotta
Ort: Karnak, R1

Beschreibung:
Der Vortrag analysiert die Hintergründe, Dynamiken und organisatorischen Strukturen hinter der Umbenennung der neonazistischen NPD in „Die Heimat“. In dem Vortrag versuchen wir aufzuschlüsseln, welche Ziele hinter der Umbenennung stecken und welche Netzwerke involviert sind. Wir gehen der Frage nach, wie die Debatte innerhalb der Partei – und zu welchem Preis – geführt wurde. Außerdem wagen wir erste Prognosen darüber, welche Auswirkungen wir durch die Umbenennung erwarten sollten. Oder ist das doch nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Referent*innen: Fritz Bauer Institut
Ort: Karnak, R2

Beschreibung:
Antisemitismus ist ein zentrales Element rechtsextremen Denkens und ragt gleichzeitig in die Mitte der Gesellschaft hinein. Der Workshop zeigt Kontinuität und Wandel antisemitischer Vorstellungen nach 1945. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich antisemitisches Denken an die jeweils gegebenen politischen und gesellschaftlichen Umstände anpasst. Der Workshop bietet Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen, Akteuren und Plattformen antisemitischer Vorstellungen von den 1950er Jahren bis heute. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zur Reflexion der Auswirkungen auf direkt Betroffene und die demokratische Gesellschaft als Ganzes angeregt. Im Anschluss werden geeignete Reaktionen auf Antisemitismus im Alltag diskutiert.

Referent*innen: Mut-zu-Taten
Ort: Studihaus Workshopraum

Beschreibung:
In einem Safer Space – einem geschützterem Raum, außerhalb weißer normativer Herrschaftsverhältnisse – soll das Sprechen über eigene Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen ermöglicht werden. Es geht um einen Austausch und ein Anerkennen individueller und struktureller Gewalterfahrungen und gleichzeitig auch um einen kollegialen Austausch, wie Bewältigungsstrategien aussehen können.

Referent*innen: Mut-zu-Taten
Ort: Studihaus, Lernort 2

Beschreibung:
Wir möchten mit euch in den Austausch kommen, wie mehr diskriminierungssensible und emanzipatorische Räume in Kassel geschaffen werden können. Mit welchen Herausforderungen seid ihr konfrontiert, welche Methoden haben sich bewährt und welche Erfahrungen möchtet ihr teilen? Willkommen sind alle mit Interesse am Thema.

Referent*innen: Kollektiv Macker abschaffen
Ort: Schlachthof Kaminzimmer 

Beschreibung:
TRIGGER WARNUNG: Sexualisierte Gewalt. In diesem Workshop wird es um den Umgang mit sexualisierter Gewalt gehen. Macht euch bitte Gedanken darüber, ob ihr mit diesem Thema gerade umgehen wollt/ könnt. Es wird darum gehen, wie man als Umfeld/ Community mit Übergriffen umgehen kann. Ein Austausch zu eigener Betroffenheit von sexualisierter Gewalt soll nicht im Fokus stehen. Wenn ihr betroffen seid und Hilfe benötigt, wendet euch bitte an: <NDRS AWARENESS STRUKTUR?>

Feministische Strategien bei Übergriffen“
Awareness und Community Accountability bei Fällen von sexualisierter Gewalt

Übergriffigkeiten und sexualisierte Gewalt finden leider immer wieder in unseren Umfeldern statt – ja, auch bei uns zuhause, in unseren Kollektiven, unseren Kneipen und AZs, auf unseren Festivals. Allzu oft trifft dies dann nicht nur Betroffene, sondern auch deren Bezugspersonen, WGs, Politgruppen etc. erstaunlich unvorbereitet und ist oft überfordernd. Was kann in einer solchen Situation helfen? Wie kann Verantwortung von den Schultern der betroffenen Person genommen und sinnvolle Unterstützung geleistet werden? Wie kann Handlungsfähigkeit zurückgewonnen werden? Und was braucht es, um zukünftig Übergriffigkeit zu vermeiden, damit unsere Communities langfristig wachsen und besser werden können? Wir möchten mit euch Antworten auf diese Fragen erarbeiten und aus unserem mehrjährigen Erfahrungsschatz berichten. Dabei wollen wir Handlungsmöglichkeiten jenseits von Bullen und Staat eröffnen und uns am Konzept der transformativen Gerechtigkeit orientieren. Konkret werden wir uns auf zwei Punkte konzentrieren: Erstens Gesprächsführung und Support, wenn betroffene Personen von einer Übergriffserfahrung berichten, und zweitens ein Umgang/Einmischen in Situationen, in denen übergriffiges Verhalten gegenüber einer anderen Person beobachtet wird. Es wird dabei immer um die eigenen Handlungsmöglichkeiten als Umfeld der betroffenen Person gehen.

Referent*innen: Ashley Memo 
Ort: Karnak, R1

Beschreibung:
Vor allem Männer üben auch in linken Zusammenhängen regelmäßig intime und sexuelle Gewalt aus. Immer wieder versuchen Aktivist_innen in Reaktion darauf, »transformative Täterarbeit« zu leisten, das heißt eine Art Beratungsangebot für Täter bereitzustellen, in dem diese sich verändern sollen und so zukünftige Gewalt verhindert werden soll.

Im ersten Teil des Vortrags soll es um Probleme »transformativer Täterarbeit« gehen: Diese Art von Täterarbeit tendiert theoretisch wie praktisch zur Verharmlosung männlicher Gewalt – wenn auch meistens unbeabsichtigt. Die patriarchalen Kontroll- und Dominanz-Strategien von Tätern werden weitestgehend ausgeblendet und können dadurch umso mehr zur Gefahr für nicht-professionalisierte Aktivist_innen werden.

Im zweiten Teil wird umrissen, wie eine alternative feministische Praxis aussehen kann. Eine solche Praxis versucht Gewalt gerade nicht dadurch zu verhindern, dass sie Täter wieder und wieder zur Veränderung einlädt. Stattdessen setzt sie ihren Fokus auf die autonomen Handlungsmöglichkeiten Betroffener: Möglichkeiten, sich der Gewalt entweder zu entziehen oder aber sich (gemeinsam) zur Wehr zu setzen und eigene, nicht von Tätern dominierte Räume zu schaffen. All diese Möglichkeiten mussten historisch immer erst erkämpft werden und müssen es auch heute. Abschließend soll zur Diskussion gestellt werden, vor welchen Schwierigkeiten feministische Solidarität heute auch innerhalb linker Bewegungen steht und wie vor allem Frauen und Queers damit umgehen können.

Referent*in: Micha Brumlik
Ort: Schlachthof Saal

Beschreibung:

Mit Blick auf den Aufschwung, den rechtsradikale und -populistische Bewegungen hierzulande wie in allen Teilen Europas heute haben, drängen sich die Fragen auf, mit welchen politischen Angeboten sie aufwarten, was ihre Gemeinsamkeiten ausmacht und inwieweit sie dem ‚traditionellen‘ rechten Gedankengut entsprechen.

Eben hiermit wird sich in diesem Jahr Micha Brumlik innerhalb eines Vortrags auseinandersetzen: Ausgehend von einer Analyse der Programmatik der Alternative für Deutschland sowie den ihnen politisch nahestehenden Parteien Europas wird der renommierte Politikwissenschaftler und Publizist der Frage nachgehen, was gegenwärtig unter dem politisch ‚Rechten‘ zu verstehen ist.

Samstag 22.07.2023

Referent*innen: FrauLebenFreiheitKassel
Ort: Nordstadtpark Zelt

Beschreibung:

Am 16. September 2022 wurde die iranische-Kurdin Jina (Mahsa) Amini in Teheran verhaftet, da sie nach Sicht der iranischen „Sittenpolizei“ ihr Kopftuch in der Öffentlichkeit nicht ordnungsgemäß getragen habe und somit gegen die in Iran herrschende „Kopftuchpflicht“ verstoßen habe. Sie starb in Polizeigewahrsam in Folge der physischen Gewalt, die ihr von den Sicherheitskräften angetan wurde. 

Gewalt gegen Frauen in Iran durch die iranischen Behörden ist alltäglich. Frauen, aber auch viele andere Gruppen in Iran werden systematisch benachteiligt, diskriminiert. Dies ist jedoch kein Hindernis dafür, dass sich Menschen in Iran organisieren und sich für Gleichberechtigung sowie gesellschaftliche Teilhabe einsetzen und politisch aktiv sind. 

Das anfängliche Interesse der medialen Berichterstattung in den ersten Monaten nach dem Tod von Jina (Mahsa) Amini ebbte recht schnell ab und rückte in den Hintergrund. Trotzdem gehen die Proteste weiter – in Iran und außerhalb. Um uns über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen, wollen wir mit unserem Workshop einen open space anbieten, der ermöglicht, mehr über die gesellschaftliche Realität und die Hintergründe der Revolution zu erfahren und sich darüber auszutauschen.   Es werden Kurzinformationen zu sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnissen in Iran vorhanden sein, die nach eigenem Interesse näher vertieft werden können. Außerdem werden Bilder aktueller Relevanz, die auf sozialen Medien (Instagram) präsent sind gezeigt werden. Sozialer Protest kann sich in unterschiedlichen Formen artikulieren. Wir freuen uns auf Euch!  Be omide Azadi!  (In der Hoffnung auf Freiheit!)

 

Referent*innen: Carina Tränkner 
Ort: Schlachthof Saal

Beschreibung:
Wendo ist ein feministisches Konzept zur Selbstbehauptung, Selbstverteidigung und Gewaltprävention für MINTA* und FLINTA*. Es wurde ursprünglich entwickelt, um sich vorrangig gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt besser zur Wehr setzen zu können, aber je nach Gruppenkonstellation und Bedürfnissen der Teilnehmenden geht es genauso auch um den Umgang mit Rassismus, Ableismus und anderen Diskriminierungsformen.

Carina Tränkner ist Wendo-Trainer*in und gibt hauptberuflich Wendo-Workshops und -Kurse in verschiedenen Kontexten.

Referent*innen: FARN
Ort: Karnak, R2

Beschreibung:
Immer wieder sind demokratische Akteur*innen des Natur- und Umweltschutzes sowie des (ökologischen) Landbaus mit Kooperationsanfragen, Vereinnahmungsstrategien und Unterwanderungsversuchen von rechts konfrontiert. Welche Beweggründe haben extrem rechte Akteur*innen sich in diesen Themenfeldern zu engagieren? Welche Ziele verfolgen sie? Der Workshop sensibilisiert für die historischen und die aktuellen Verknüpfungen des deutschen Natur- und Umweltschutzes mit extrem rechten Ideologien. Das Angebot versetzt die Teilnehmer*innen in die Lage, demokratiefeindliche und menschenverachtende Ideologien und Denkmuster im Natur- und Umweltschutz zu identifizieren. Darauf aufbauend können mögliche Handlungsoptionen im Sinne einer Prävention und Intervention erarbeitet und diskutiert werden.

Referent*innen: Kasseler Antifaschist*innen
Ort: Nordstadtpark Zelt

Beschreibung:
Erneut wurde einmal die Versammlungsfreiheit für Antifaschist*Innen quasi ausgesetzt. Diese Polizeistrategie, welche zum ersten male vermehrt unter Corona auftrat fand seine Fortsetzung beim Tag X in Leipzig. Begleitet durch den Zusammenbruch linker Strukturen unter dem Druck der Repression in Leipzig traten die Kräfteverhältnisse in dieser Zeit deutlich zu Tage. Was bedeuten die gegebenen Umstände für den lokalen sowie bundesweiten Antifaschismus und wie ist darauf zu reagieren? Darüber wollen wir mit euch in dieser offenen Gesprächsrunde zusammen kommen und diskutieren.

Referent*innen: Kein Schlussstrich Nordhessen
Ort: Studihaus, Lernort 2

Beschreibung:

Rechte Taten und Angriffe werden häufig als “Ausnahme” oder als “Einzelfall” verhandelt, deswegen wird das Erinnern an die Kontinuität von rechter Gewalt und den ungeklärten Fragen häuftig als Störung wahrgenommen. In unserer Veranstaltung soll es um Inhalte, Herausforderung von und Gründe für erinnerungspolitsche Arbeit gehen. Dabei stellen wir uns den Fragen, was es bedeutet keinen Schlussstrich zu ziehen und beziehen uns spezifisch dabei auf die Arbeit mit B. Efe, der einen rassistischen Mordversuch in Kassel überlebte. Des Weiteren fragen wir uns in der Veranstaltung, warum es eine linke wie solidarische Erinnerungs- und Gedenkarbeit braucht? Welche Methoden liegen dieser Arbeit zugrunde? Und inwiefern kann dies als revolutionäre Praxis aus den Zwischenräumen verstanden werden?
All diese Fragen möchten wir mit euch in unserem Vortrag bearbeiten und laden euch anschließend ein, den Livestream der Gedenkkundgebung von der Initiative ‚OEZ München erinnern‘ mit uns zu schauen.

Referent*in: Kim Poster
Ort: Philipp-Scheidemann-Haus, R107 (1. OG)

Beschreibung:
Männlichkeit ist ein Problem mit dem sich vor allem Männer mit emanzipatorischem Anspruch auseinandersetzen müssen – da ist man sich in der Linken oft einig. Aber um welche Männer und welche Männlichkeit geht es dabei überhaupt und wie soll diese Auseinandersetzung genau aussehen? Der Vortrag soll eine Einführung sein in eine grundlegende Kritik der Männlichkeit und diskutiert warum aktuelle Ansätzen wie „Kritischen Männlichkeit“ sowohl theoretisch, als auch praktisch meistens zu kurz greifen.

Referent*in: Leon Enrique
Ort: Studihaus Foyer

Beschreibung:
Strenge Hierarchien, exzessiver Trinkzwang, reaktionäre Werte: Das und mehr wird Studentenverbindungen nachgesagt. Doch was geschieht abseits der Öffentlichkeit in den Villen und Kellerkneipen, in denen sich Burschen herumtreiben?

Für eine Recherche begab sich Leon Enrique auf eine „Reise nach Germania“. Monatelang war er zwischen Verbindungsstudenten unterwegs und hat sich auch bei einschlägig rechtsextremen Burschenschaften beworben – die ihn aufgrund seiner Hautfarbe ablehnen. Der Vortrag bietet ein Portrait einer konservativen Parallelgesellschaft.

Inszensierung: Bühne für Menschenrechte
Ort: Boreal

Wie jedes Jahr schließt das inhaltliche Programm des Nach dem Rechten sehen-Festivals mit einem Stück der Bühne für Menschenrechte, in diesem Jahr mit einer Wiederauffürhung der NSU-MONOLOGE. Dieses Stück erzählt von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU – von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat: von ihrem Mut, in der 1. Reihe eines Trauermarschs zu stehen, von der Willensstärke, die Umbenennung einer Straße einzufordern und vom Versuch, die eigene Erinnerung an den geliebten Menschen gegen die vermeintliche Wahrheit der Behörden zu verteidigen. Die NSU-MONOLOGE sind dokumentarisches, wortgetreues Theater, mal behutsam, mal fordernd, mal wütend – roh und direkt liefern sie uns intime Einblicke in den Kampf der Angehörigen um Wahrheit und sind in Zeiten des Erstarkens von Rechtsradikalismus in allen Teilen der Gesellschaft an Aktualität kaum zu überbieten.