Die Räume des Schlachthofs sowie das Studierendenhaus sind barrierefrei zugänglich.


Mittwoch 20.07.

18:00-21:00 Vortrag
beuys behind the scenes und Max Czollek: Eröffnung NDRS

Schlachthof Boreal

Das NDRS-Hauptprogramm wird dieses Jahr mit dem Vortrag „Kunst, Politik und Spiritualität bei Joseph Beuys“ von beuys behind the scenes eröffnet:
Beuys‘ Biografie, sein künstlerisches Schaffen und sein politischer Aktionismus bilden einen untrennbaren Konnex; Beuys selbst wurde nicht müde, dies immer wieder zu betonen. Über seine Wirkung als postnazistischen Vergangenheitsrelativierer erfährt man allerdings kaum etwas. Das verwundert, denn schließlich hatte Beuys selbst zu Protokoll gegeben: „Mein ganzes Leben war Werbung, aber man sollte sich einmal dafür interessieren, wofür ich geworben habe.“ Und genau dafür interessiert sich die Kampagne „beuys behind the scenes“, die sich als kritische Ergänzung zum offiziellen „beuys2021“-Jahr versteht. „behind the scenes“ sollte als Slogan dabei nicht täuschen. Denn das zu untersuchende Gedankengut Beuys‘ lässt sich ganz offen aus seiner Kunst, seinen Schriften, seinem Handeln und seinem politischen Wirken ablesen und muss nicht erst hinter den Kulissen gesucht werden. „behind the scenes“ verweist somit vielmehr auf die in der öffentlichen Rezeption kaum vorhandene Thematisierung dessen, wofür Beuys tatsächlich „geworben“ hat.

Danach wird erneut Max Czollek einen Vortrag zum Eröffnungsabend des NDRS beisteuern unter dem Titel „Beuys will be Beuys. Gedanken über Freiheit, Autonomie und Verantwortung in der Kunst“:
Kunstfreiheit, Meinungsfreiheit, Konsumfreiheit – Kaum ein Begriff wird in der Gegenwart so häufig bemüht wie jener der Freiheit. Der Verweis dient nicht selten dazu, den Anspruch diskriminierungs- oder kapitalismuskritischer Kritik als unzulässige Einschränkung zurückzuweisen. Diese polemische Anordnung unterschlägt, was durch nationalistische Kulturvorstellungen, die Verbindung von Kunst und Gewalt und die sich abzeichnende Klimakatastrophe klar sein sollte: dass es eine absolute Freiheit nicht geben kann. Wie Meinungsfreiheit nicht ohne Zivilcourage und Konsumfreiheit nicht ohne ethische und ökologische Grenzen auskommt, muss die Kunstfreiheit sich die Frage gefallen lassen, welche Verantwortung sie angsichts einer gewaltvollen Geschichte und Gegenwart übernimmt.

Es folgt zum Abschluss der Eröffnung ein musikalischer Ausklang.

Donnerstag 21.07.

10:00-11:30 Rundgang
Sara Nussbaum Zentrum: Rundgang im Sara Nussbaum Zentrum
Sara Nussbaum Zentrum, Ludwig-Mond-Str. 127

Eine gute jüdische Tradition ist es, mit einer Frage auf eine Gegenfrage zu antworten. Auf diesem Prinzip basiert auch die Ausstellung „Netz gegen Hetz“. Da können Besucherinnen und Besucher die Vielfalt jüdSischer Perspektiven gewissermaßen „erfragen“. Und dabei vermutlich auch die Erkenntnis machen, dass viele Dinge miteinander verwoben und verknüpft sind, einfache Lösungen oder Deutungen bei komplexen Fragen versagen. Fragen nach Erinnerung, nach der Notwendigkeit von Dialog, dem Entstehen, Weitergeben und Entgegentreten von (Vor-)Urteilen, Zusammenhalt und Kooperation und vieles mehr. In der Dauerausstellung „Juden in Kassel“ werden Ausschnitte der rund 700-jährigen Geschichte der Juden in Kassel – vom Mittelalter bis heute gezeigt.


10:00-13:00 Workshop
Fritz Bauer Institut: Antisemitismus nach 1945
Schlachthof Kaminzimmer

Antisemitismus ist ein zentrales Element rechtsextremen Denkens und ragt gleichzeitig in die Mitte der Gesellschaft hinein. Der Workshop zeigt Kontinuität und Wandel antisemitischer Vorstellungen nach 1945. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich antisemitisches Denken an die jeweils gegebenen politischen und gesellschaftlichen Umstände anpasst. Der Workshop bietet Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Formen, Akteuren und Plattformen antisemitischer Vorstellungen von den 1950er Jahren bis heute. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen werden zur Reflexion der Auswirkungen auf direkt Betroffene und die demokratische Gesellschaft als Ganzes angeregt. Im Anschluss werden geeignete Reaktionen auf Antisemitismus im Alltag diskutiert.


14:00-17:00 Workshop
MBT Hessen: Anastasia-Bewegung – Völkische Siedler*innen im ländlichen Raum
Schlachthof Kaminzimmer

Ein Leben auf dem Land und eigenes Gemüse aus dem Garten- Die Siedler*Innen der Anastasia-Bewegung wirken auf den ersten Blick wie harmlose Öko-Aussteiger*Innen. Ihre Ideologie beruht jedoch auf Antisemitismus, Verschwörungsmythen und einem reaktionären, rassistisch-völkischen Weltbild. Im Rahmen des Vortrags werden wir uns kritisch mit der Bewegung auseinandersetzen und dabei Ideologie sowie Akteur*innen und Aktivitäten in Nordhessen beleuchten.


14:00-17:00 Rundgang
Ulrich Schneider – Rundgang auf den Spuren antifaschistischer Geschichte in Kassel

Start am Schlachthof

Antifaschistische Geschichtspolitik macht sich die historischen Orte und Erinnerungszeichen in der Stadt bewusst. Dieser Rundgang folgt nicht einer Chronologie, sondern dem Prinzip der Visualisierung von Geschichte. Politische Verfolgung, antisemitische Ausgrenzung und die Konsequenzen der faschistischen Kriegspolitik, aber auch Zeichen antifaschistischen Widerstands haben „vor den Augen dieser Stadt“ stattgefunden – dies und die entsprechenden Handlungsorte soll sichtbar werden.


18:00-20:00 Podiumsdiskussion
Freund*innen von Lina: Staatliches Feindbild Antifaschismus
– eine Podiumsdiskussion zu politischer Justiz
ruruhaus

Ist Antifaschismus eine Gefahr für unsere Gesellschaft? Politisch wird in offiziellen Erklärungen die Ablehnung des Faschismus betont, dennoch gibt es eine lange Tradition der staatlichen Überwachung und Unterdrückung von antifaschistischen Bewegungen in Deutschland. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten musste zuletzt um die Rückgewinnung ihrer Gemeinnützigkeit kämpfen. Aktuell werden junge Menschen, die gegen Nazistrukturen aufbegehren, unter dem Vorwurf, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein (§ 129 StGB), verfolgt und angeklagt. Ein prominentes Beispiel ist die Kasselerin Lina E. Ist Antifaschismus gefährlich? Oder sind es rechte Strukturen in Behörden und Justiz, die eine Politik gegen den Antifaschismus befördern und rechte Strukturen in der Gesellschaft verharmlosen, die uns beunruhigen sollten? Darüber sprechen:
Juliane Nagel (MdL Sachsen DIE LINKE), Katharina König-Preuss (MdL Thüringen DIE LINKE), Dr. Urich Schneider (VVN-BdA – Bundessprecher)
Moderation: Dr. Cara Röhner, Professorin für Soziales Recht, Hochschule RheinMain


19:00-21:00 Vortrag
Arbeitsgruppe Idar-Oberstein: Die Hintergründe der Corona-Proteste und der Mord in Idar-Oberstein

Foyer Studierendenhaus Uni Kassel

Der Mord in Idar-Oberstein am 18. September 2021 hat eine neue Qualität in der Eskalation der Corona-Proteste offenbart. Inwieweit der Mord in den Komplex der Pandemieleugnung /-verharmlosung einzuordnen ist bzw. als rechter Terror begriffen werden kann, soll in einem Vortrag mit anschließendem Austausch besprochen werden. Der Vortrag nimmt den Mord als Ausgangspunkt für eine sozialwissenschaftliche Analyse der Corona-Protest-Bewegung in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus. Hierbei zeigt sich, dass Inhalte und Akteur*innen über die extreme Rechte hinausweisen. Die verbindenden Elemente und gemeinsamen Grundlagen der unterschiedlichen Akteur*innen werden vorgestellt. Im Anschluss sollen Ursachenerklärungen und mögliche Gegenmaßnahmen präsentiert werden.

Erarbeitet wurde der Beitrag von den Referierenden Luis Caballero (Forschungsgruppe Extreme Rechte und Rechtspopulismus), Paul Erxleben (Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen) und Laura Weidig (Kulturwissenschaftlerin)


19:00-21:00 Vortrag
Alex Feuerherdt: Popkultur & BDS – Wie die Kulturindustrie ihr Ressentiment zelebriert

Schlachthof Saal

Im Mai 2019 hat der Deutsche Bundestag den Beschluss verabschiedet, die Bewegung für einen Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel (BDS) als antisemitisch zu verurteilen und ihr öffentliche Räume und Gelder zu verweigern. Vor allem im kulturellen Sektor, wo BDS viele Sympathisant*innen hat, fühlt man sich dadurch nangegriffen und eingeschränkt. Einige der gewichtigsten Personen und Institutionen der staatlich geförderten Kulturlandschaft hierzulande sind im Dezember 2020 sogar als „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ an die Öffentlichkeit gegangen. Sie beklagen eine „Logik des Boykotts“, die die BDS-Resolution des Bundestages ausgelöst habe und die nun die „kulturelle Vielfalt“, das „Anderssein“ und die „Anerkennung von Differenz“ bedrohe. Dabei geht es der BDS-Bewegung sowie ihren Anhänger*innen und Beschützer*innen eher selten darum, was Israel konkret tut oder lässt. Sie haben vielmehr oftmals ein Problem damit, dass dieses Land überhaupt existiert. In seinem Vortrag wird Alex Feuerherdt der Frage nachgehen, warum die „Israelkritik“ im Allgemeinen und die BDS-Bewegung im Besonderen vor allem im (pop)kulturellen Milieu so beliebt ist – was sich gegenwärtig auch an der Kunstschau Documenta zeigt – und was an dieser Bewegung antisemitisch ist. 

Alex Feuerherdt ist Publizist und lebt in Köln, seine Schwerpunktthemen sind Antisemitismus, Israel, der Nahe Osten und Fußball. Gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Florian Markl hat er im Herbst 2020 das Buch „Die Israel-Boykottbewegung – Alter Hass in neuem Gewand“ vorgelegt. Erschienen ist es im Leipziger Verlag Hentrich & Hentrich.

Freitag 22.07.

10:00-13:00 Rundgang
Die Kopiloten e.V. – Kein Schlusstrich. Unter was?!

Start am Halitplatz

Während des Rundgangs wird nachgezeichnet und erfahrbar gemacht, welche Spuren des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Kassel sichtbar sind und sichtbar gemacht werden müssen. An sechs Orten in Kassel wird die Ermordung von Halit Yozgat durch den NSU in Verbindung mit Neonazi-Netzwerken gesetzt, die Versäumnisse der Ermittlungsbehörden und des Verfassungsschutzes aufgezeigt und untersucht, warum die Dominanzgesellschaft zu lange an die Mär falscher Beschuldigungen gegen die Opfer und Betroffenen des Terrors glaubte.

Der Rundgang macht Unsichtbares sichtbar und bietet die Chance, eigene Haltungen zu reflektieren und Forderungen nach gesellschaftlicher Aufklärung zu stellen. Denn auch wenn einige der Täter*innen tot oder verurteilt sind: Kein Schlussstrich!


10:00-13:00 Workshop
Fu*k und Oh Mann Ey! – Krieg Macht Männer

Schlachthof Kaminzimmer

„Can I be your hero, baby?“ – In unserem Workshop wollen wir uns mit den Verbindungslinien und Zusammenhängen von Patriarchat und Männlichkeitsvorstellungen mit Krieg und Militarismus auseinandersetzen. Inwieweit wirkt die Vorstellung von Heldentum auf die Gesellschaft und in ihr stattfindenden Geschlechterkonstruktionen? Und welche Auswirkungen hat das letztendlich auf unsere persönlichen Alltagserfahrungen? Wir möchten beleuchten, wie Militarismus Bilder von dominanter Männlichkeit und damit patriarchale Strukturen stärken kann. Davon ausgehend wollen wir aber auch mit euch gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen, sowohl auf einer politischen als auch einer alltäglichen Ebene.

Wir als Workshopleitende sind alle weiß, deutsch und akademisch geprägt. Für den Workshop ist kein Vorwissen nötig.


14:00-17:00 Workshop
NSU Watch: Der NSU-Komplex. Stand der Aufklärung und Perspektiven.

Schlachthof Kaminzimmer

Der NSU-Prozess in München ist zu Ende, das Urteil ist seit 2021 komplett rechtskräftig. Die Aufklärung des NSU-Komplexes jedoch noch lange nicht. In seinem Urteil geht das Gericht von der These vom NSU als „Trio“ ohne Netzwerk und ohne Verstrickung der Behörden aus. Dies ist allerdings nach allem, was in den letzten Jahren über der NSU-Komplex ans Licht gezerrt wurde,nicht haltbar. Gemeinsam wollen wir diskutieren, auf welchem Stand die Aufklärung ist und wo wir als Gesellschaft einen Beitrag dazu leisten können. Gemeinsam wollen wir auch darüber sprechen, wie es – auch Angesichts der rechten Morde und Anschläge der letzten Jahre – nun weitergehen soll und was die Rolle von Antifaschist*innen beim Kampf um weitere Aufklärung sein könnte.


14:00-17:00 Workshop
Sozialer Friedensdienst: MUT-zu-TATEN-Workshop: Rassismus im pädagogischen Alltag

Schlachthof Backstage

Die Vielfalt von Kindern führt nicht selbstverständlich dazu, dass auch alle gleich wahrgenommen und behandelt werden. Und auch unter Kindern wirken Vorurteile, die sie im Miteinander anwenden. Eine rassismuskritische Bildungsarbeit setzt Selbstreflexion und Wissen um Diskriminierungsformen und deren Wirkung voraus. Im Rahmen dieses Workshops beschäftigen wir uns mit den Themen Rassismus und Diskriminierung und tauschen uns darüber aus, was das für die pädagogische Praxis bedeutet und wie hier Empowerment möglich sein kann.


15:00-17:00 Workshop
MediNetz Kassel: Gleiche Gesundheitliche Versorgung für Alle?!

Schlachthof Saal

Die gesundheitliche Versorgung von Menschen in Deutschland ist nicht gleich, sie ist unter anderem anhängig von der Nationalität und dem Aufenthaltsstatus. In dem Workshop werden wir einen Input zur Situation von Menschen ohne Krankenversicherung geben und damit die Barrieren beim Zugang zur gesundheitlicher Versorgung deutlich machen.Wir, die Initiator:innen des MediNeztes in Kassel sind teilweise langjährig im Gesundheits-,Asyl- und sozialrechtlichen Kontext tätig und kennen die ausgrenzenden und rassistischen Strukturen somit aus der Praxis.  In vielen Städten sind MediNetz bereits aktiv, das brauchen wir auch für Kassel, um neben den politischen Forderungen auch eine praktische Anlaufstelle zu schaffe. Diese Struktur bauen wir derzeit auf und freuen uns über weitere Engagierte in unserem Kreis.


19:00-21:00 Vortrag
Rote Hilfe: Was tun, wenn´s brennt…!?! – Rechtshilfevortrag

Foyer Studierendenhaus Uni Kassel

Wie bereite ich mich gut auf politische Aktionen vor, wie verhalte ich mich dort und danach einigermaßen safe und was tun, wenn mal Post von den Cops kommt? Diese und weitere Fragen, sowie Infos über die Rote Hilfe gibt´s in diesem Vortrag.


19:00-21:30 Bühnenstück
Thomas Ebermann und Thorsten Mense: Heimat. Eine Besichtigung des Grauens

Schlachthof Saal

Mit ihr wird für Zahnpasta und Banken geworben, der Trachtenhandel erzielt Umsatzrekorde und das provinzielle Kostüm enthemmt seine Träger/innen. Ein »VolksRock´n´Roller« füllt große Arenen mit jungem Publikum, die Bild-Zeitung ehrt sie mit einer kostenlosen Sonderausgabe, die Qualitätsmedien mit Features und Debatten-Serien. Zeitschriften, die das richtige Anlegen von Rosenbeeten lehren, sind der Renner auf dem Medienmarkt. Grüne plakatieren ihr zur Ehre, Sozialdemokraten melden ältere Besitzansprüche an, und beneiden die Christdemokraten um die Idee mit dem Ministerium. Nazis verkünden, die Liebe zur ihr sei kein Verbrechen, und wer sie nicht liebe, sei aus ihr zu entfernen. Linke kontern knallhart: ihre Liebe zu Region und Gebietskörperschaft sei noch viel tiefer, echter und unverbrüchlicher. Die staatlichen Programme zur Förderung solcher Gefühle sind satt budgetiert, und je trostloser das Kaff, desto hymnischer hat der Song zu sein, der seinen Liebreiz besingt. Der deutsche Pop folgt diesem Credo, unsubventioniert und in Privatinitiative. Hauptsache es wird gefühlt. Und das heißt immer: Allem zersetzenden Denken und kritischer Reflexion wird die Stirn geboten. So fühlt man sich schon mal wie ein Baum, also tief verwurzelt und unumtopfbar, weil sonst Psyche und Identität Schaden erlitten. Manche schnuppern auch an Bratwürsten und behaupten, dann spürten sie Heimat. Vor allem rein und unbefleckt soll sie sein, von ihren Männern beschützt und verteidigt. Im Namen von Idyll, Harmonie, Tradition, Brauchtum, Familie und weiterer Höllen wird gegen die Fremden und das Fremde zu Felde gezogen. Was man bereits ohne Meinungsforschung erkennen konnte, wurde mittlerweile auch empirisch belegt: Je mehr Heimatliebe, desto ausgeprägter die rassistische Gesinnung. Unbeeindruckt davon, stets dem Konstruktiven verpflichtet, bastelt die Zivilgesellschaft an ,alternativen‘ Heimatbegriffen. Und wo noch ein Restwissen oder eine Ahnung vorhanden ist, über die Geschichte dieses rechten Kampfbegriffs, der oft nur ein anderes Wort für ,Blut und Boden‘ war, zitiert man das letzte Wort aus »Prinzip Hoffnung« des marxistischen Philosophen Ernst Bloch: »Heimat« – und verschafft sich so gutes Gewissen. Das und vieles mehr – das Absurde und das Gefährliche – wird an diesem Abend auf Bühne und Leinwand besichtigt und vorgeführt, nachgespielt und kommentiert, analysiert und in die Tonne getreten. Stets parteiisch auf der Seite der historischen und zukünftigen Opfer der Heimat. FRANK SPILKER (Die Sterne) trägt eine brauchtumsfremde Komposition bei – sein Song möge Heimatfeinde in Bewegung und Heimatfreunde zum Erstarren bringen. Wer das für Nestbeschmutzung hält, versteht uns richtig.

Samstag 23.07.

10:00-13:00 Workshop (zweiteilig)
Rheinmetall-entwaffnen: Zwangsarbeit im Faschismus am Beispiel der Rüstungsfirma Rheinmetall
 (1)
Schlachthof Kaminzimmer

In einem 2-teiligen Workshop stellen wir das System der Zwangsarbeit im Faschismus vor. Am Beispiel der Firma Rheinmetall, aktuell Deutschlands größtes Rüstungsunternehmen mit einem Standort in Kassel. Während der Kriegsjahre 1939-1945 mussten Millionen Zwangsarbeiter:innen in der deutschen Rüstungsindustrie Waffen und Munition herstellen. Die Allermeisten stammten aus den im Laufe des Krieges besetzten Ländern. Zivile Arbeiter:innen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Sie wurden angeworben, dienstverpflichtet oder zwangsrekrutiert und deportiert. Polnische und sowjetische Arbeiter:innen mussten wie jüdische Menschen stigmatisierende Abzeichen auf ihrer Kleidung tragen. Der Arbeitseinsatz der sogenannten Ostarbeiter:innen und sowjetischen Kriegsgefangenen war ideologisch und praktisch nicht vom Vernichtungskrieg im Osten zu trennen. Tödliche Institutionen der Zwangsarbeit waren die Arbeits- und Erziehungslager (AEL) der Gestapo und die Säuglingsheime. Alles war durch Gesetze, Vorschriften und Anweisungen genau geregelt. So ist es möglich am konkreten Beispiel des Rheinmetallkonzerns einen Blick auf das damalige System der Ausbeutung und Vernichtung zu werfen.


10:00-13:00 Workshop
4std Liga: Radikale Arbeitszeitverkürzung als antifaschistische Forderung

Schlachthof Backstage

Das Leben und der Alltag der großen Mehrheit der Menschen ist davon bestimmt, dass sie ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Werktag für Werktag, Jahr für Jahr, werden sie gefordert und müssen die vielfältigen Zumutungen der Lohnarbeit ertragen. Dabei sind sie einem kapitalistischen Normalvollzug, der undemokratisch organisiert ist und ihre konkreten Bedürfnisse ignoriert, unterworfen. Diese Zumutungen der kapitalistischen Lohnarbeit bringen in ihrer Form als Autoritäts- und Herrschaftsverhältnisse autoritäres Denken hervor und befeuern die Entstehung autoritär rechter Bewegungen. Dieses Verhältnis werden wir in unserem Workshop facettenreich am Beispiel des Nationalsozialismus ausleuchten. Dabei werden wir uns mit dem nationalsozialistischen Arbeitsethos auseinandersetzen, das Arbeit wesentlich als Selbstzweck, als sittlich-moralisches Gebot und vor allem als Aufopferung für die Volkgemeinschaft begriffen hat. In den Blick nehmen wir ebenfalls, wie dieser Arbeitsbegriff sein komplementäres Anderes in den Figuren der Nicht-Arbeit und der Anti-Arbeit, des „Arbeitsscheuen“, des „Asozialen“, des „Zigeuners“ und des „Juden““ gefunden hat. Wir werden sehen, dass ein spezifisches Verständnis von Arbeit den Nationalsozialismus als Klammer von Ausgrenzung, Diskriminierung und Vernichtung charakterisierte – ebenso wie zahlreiche aktuelle autoritäre Bewegungen darum kreisen, den ‚arbeitenden einfachen Mann‘ mit autoritären Mitteln in sein vermeintliches Recht zu setzen. Vor diesem Hintergrund werden wir uns mit der Frage auseinandersetzen, ob die Forderung nach radikaler Arbeitszeitverkürzung eine antifaschistische Forderung ist. Auch weil diese Forderung den deutschen Arbeitsethos und neoliberale Vorstellungen, wonach wir Unternehmer:innen unserer selbst sein sollen, radikal zurückweist, eröffnet sie die Möglichkeiten für ein Verständnis der menschlichen Wertigkeit, das nicht um Arbeit zentriert ist.


14:00-17:00 Workshop (zweiteilig)
Rheinmetall-entwaffnen: Zwangsarbeit im Faschismus am Beispiel der Rüstungsfirma Rheinmetall (2)
Schlachthof Kaminzimmer

In einem 2-teiligen Workshop stellen wir das System der Zwangsarbeit im Faschismus vor. Am Beispiel der Firma Rheinmetall, aktuell Deutschlands größtes Rüstungsunternehmen mit einem Standort in Kassel. Während der Kriegsjahre 1939-1945 mussten Millionen Zwangsarbeiter:innen in der deutschen Rüstungsindustrie Waffen und Munition herstellen. Die Allermeisten stammten aus den im Laufe des Krieges besetzten Ländern. Zivile Arbeiter:innen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Sie wurden angeworben, dienstverpflichtet oder zwangsrekrutiert und deportiert. Polnische und sowjetische Arbeiter:innen mussten wie jüdische Menschen stigmatisierende Abzeichen auf ihrer Kleidung tragen. Der Arbeitseinsatz der sogenannten Ostarbeiter:innen und sowjetischen Kriegsgefangenen war ideologisch und praktisch nicht vom Vernichtungskrieg im Osten zu trennen. Tödliche Institutionen der Zwangsarbeit waren die Arbeits- und Erziehungslager (AEL) der Gestapo und die Säuglingsheime. Alles war durch Gesetze, Vorschriften und Anweisungen genau geregelt. So ist es möglich am konkreten Beispiel des Rheinmetallkonzerns einen Blick auf das damalige System der Ausbeutung und Vernichtung zu werfen.


14:00-17:00 Workshop
Gemeinsam gegen die Tierindustrie: Antislawischer Rassismus in der Tierindustrie – Ausbeutung osteuropäischer Arbeiter*innen mit System

Schlachthof Backstage

Neben ihrer vielen anderen kritikwürdigen Auswirkungen gerät die Tierindustrie immer wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen. Diese werden überwiegend aus Osteuropa unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, um hier unter unwürdigen Bedingungen zu arbeiten und zu leben. Wir wollen uns im diesjährigen Workshop daher auf diesen Aspekt der Tierindustrie fokussieren und damit zeigen, dass sie Teil eines ausbeuterischen und rassistischen Systems ist und die Tradition des Antislawismus fortsetzt. Gemeinsam werfen wir einen kurzen Blick in die Geschichte des antislawischen Rassismus und betrachten dann sein gegenwärtiges Erscheinungsbild an einem konkreten Beispiel: an Plukon, dem zweitgrößten Hühnerfleischkonzern der EU, der in Gudensberg, knapp 20km südlich von Kassel, Hessens größten Geflügelschlachthof betreibt.


15:00-17:00 Podiumsdiskussion
NACHGEFRAGT e.V., Evangelisches Forum, Volkshochschule Region Kassel, NN: Wie die Spinne im Netz…. – Zur Bedeutung von Torsten Heise für die rechte Szene in der Region

Schlachthof Saal

Alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion haben sich schon lange mit den rechten Netzwerken im ‚Dreiländereck‘ beschäftigt und verfügen über intensive Kenntnisse der Beziehungen zwischen den Neonazis unserer Region und darüber hinaus. Die Diskussion soll mehr Klarheit über die Neonazi-Netzwerke erbringen und über die Rolle, die der bekannte Nazi Torsten Heise darin spielt. Ist er einfach nur ein Antreiber, Aufstachler und Knotenpunkt in den Netzwerken oder soll er Informationen sammeln und (an wen) weitergeben? Zuletzt tauchte sein Name auf, weil es ein Foto von einer Sonnenwendfeier auf seinem Anwesen gibt, auf dem unter anderem Markus Hartmann und der spätere Lübcke-Mörder Stefan Ernst identifiziert werden konnten. Außerdem läuft ein Prozess wegen eines bewaffneten Angriffs auf zwei Journalisten, die in Fretterode, dem Wohnort Heises, recherchierten. Auch einer der Söhne von Heise war daran beteiligt. Es diskutieren:
Luisa Hecker (Wissenschaftliche Referentin im Untersuchungsausschuss 20/1 ‚Dr. Walter Lübcke‘), Joachim Tornau (Journalist und Rechtsextremismus-Experte, Pressebeobachter beim sog. ‚Fretterode-Prozess‘), Kai Budler (Rechtsextremismus-Experte, Autor der Mobit-Broschüre über T. Heise ‚Zwischen Gewalt, Rechtsrock und Kommerz‘), Nathan Niedermeier (Recherche-Stipendiat von CORRECTIV, Publizist zur rechten Szene, angefragt), Moderation: Christopher Vogel (Mobiles Beratungsteam – mbt)


18:00-21:00 Theaterstück mit Podiumsdiskussion
Bühne für Menschenrechte: Keine Mehr

Schlachthof Saal

Im neuen dokumentarischen Theaterstück „Keine Mehr“ geht es um Gewalt gegen Frauen. Die Geschichten von Gewalterfahrungen von drei Frauen* stehen im Zentrum, die trotz jahrzehntelanger Kämpfe der Betroffenen immer noch nicht gehört wurden. Das Stück ist aber kein Bericht über Opfer von Gewalt, sondern der Stoff wurde zusammen mit betroffenen Frauen* gemeinsam entwickelt.

Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion mit der Bühne für Menschenrechte, Frauentreff Brückenhof e.V. und Women in Exile statt.


19:00-21:00 Vortrag
Mine Pleasure Bouvar Wenzel: trans*Misogynie im Kontext zeitgenössischer rechter Ideologien
Foyer Studierendenhaus Uni Kassel

Queerfeindliche und sexistische Argumente sind festerTeil konservativer und rechterArgumentationsstrukturen. Mit steigender Sichtbarkeitvon trans, inter und nichtbinären Personen in der Gesellschaft, geraten auch diese Gruppen zunehmend in den Fokus des rückwärts gewandten Kulturkampfes. Dabei ergeben sich neue Allianzen zwischen verschiedenen menschenfeindlichen Ideologien, die sich teilweise im Schutzmantel eines angeblichen Feminismus weite gesellschaftliche Akzeptanz verschaffen. transMisogynie, also die gezielte Feindlichkeit gegenüber transWeiblichkeit_en nimmt dabei eine zentrale Rolle ein als Mechanismus der mehrere Diskriminierungsformen miteinander verbindet. Der Vortrag erklärt, wie trans*Misogynie als Unterdrückungsform funktioniert, und untersucht anhand aktueller Beispiele ihre Funktion innerhalb der hegemonialen Gesellschaft und aktueller politischer Diskurse des konservativen, rechten und rechtsextremen Lagers.

Ausstellungen

Rheinmetall-entwaffnen: Zwangsarbeit bei Rheinmetall – Der Weg der Erinnerung
Studierendenhaus Kassel

Die Ausstellung „Zwangsarbeit bei Rheinmetall – Der Weg der Erinnerung“ entstand nach dem antimilitaristischen Camp des Rheinmetall-entwaffnen Bündnisses 2019 am Rüstungsstandort Unterlüß in Niedersachsen. Hier produziert und erprobt der Rheinmetallkonzern seit über 120 Jahren Waffen und Munition. Während der Kriegsjahre 1939-1945 war im kleinen Ort Unterlüß der ganze „Kosmos“ betrieblicher Zwangsarbeit zu finden. Lager für Arbeiter:innen aus verschiedenen Ländern, je nach rassistischer Einordnung mit unterschiedlichem Status, Kriegsgefangene, ein Säuglingsheim, ein Arbeits-und Erziehungslager (AEL) der Gestapo und ein Außenlager des nahen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Die Ausstellung stellt dies vor und dokumentiert wie mit einer Gedenkaktion an den Überresten des ehemaligen KZ-Außenlagers und dem Markieren des langen Weges, den die Häftlinge damals ins Werk zurücklegen mussten, an die Geschichte der Zwangsarbeit im Ort gedacht wurde. In Bildern und Berichten schildern Überlebende des KZ-Außenlagers ihre Arbeits-und Lebensbedingungen. Die Ausstellung dokumentiert auch die Folgen eines aktiven Gedenkens. Wenige Tage, zum Teil schon Stunden später, waren alle Objekte zerstört oder gestohlen. Eine Begleitbroschüre zur Ausstellung enthält weitere Informationen und die Rede Esther Bejaranos zu diesem Anlass.


Rechte Straftaten in Kassel
Zelt im Nordstadtpark

Gezeigt werden in einer Übersichtsdarstellung die Ergebnisse einer ausführlichen Recherche zu rechten Straften, Übergriffen sowie Akten rechter Gewalt in Kassel, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden haben.


https://www.nachdemrechtensehen.de/festival/hygiene